Lebte Stauferprinzessin Agnes wirklich auf Burg Pfalzgrafenstein?

Die Burg Pfalzgrafenstein ist eines der bekanntesten Wahrzeichen im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Sie sperrte den Rhein bei Kaub und sicherte den Rheinischen Pfalzgrafen über Jahrhunderte hohe Zolleinnahmen.

Die „Pfalz“ war der Sage nach auch Schauplatz einer romantischen und bewegenden Geschichte eines Pärchens – Pfalzgräfin Agnes von Staufen und Heinrich V. von Braunschweig. Die Beziehung der beiden Liebenden ist auch historisch nachgewiesen und war von höchster politischer Brisanz. Der Sage nach, war die Schönheit der jungen Pfalzgräfin, Tochter von Konrad dem Staufer, weit über die Grenzen des Reiches bekannt. Heinrich, Herzog von Sachsen, ließ sich von dem Gerücht hinreißen und reiste an den Rhein. Die beiden trafen sich und verliebten sich sofort ineinander.

Auch Agnes‘ Mutter zeigte ihre Begeisterung für den zukünftigen Schwiegersohn, wusste aber zugleich von der Abneigung des Vaters und von der politischen Bedeutung der Verbindung einer Stauferprinzessin mit einem Mitglied aus der mächtigen Welfen-Familie. Agnes’ Vater Konrad war ein Halbbruder des amtierenden Kaisers Barbarossa und mischte in der Reichspolitik mit. Konrad und der Kaiser befürchteten einen Machtverlust der Stauferfamilie und sprachen sich, so die Erzählung, umgehend gegen die Vermählung aus.

Burg Pfalzgrafenstein - Foto: GDKE Rheinland-Pfalz ©

Burg Pfalzgrafenstein – Foto: GDKE Rheinland-Pfalz ©

Mit einer List umging Agnes‘ Mutter jedoch den Willen ihres Mannes. In seiner Abwesenheit rief sie kurzerhand das Brautpaar und einen Geistlichen zu sich auf die Stammburg und lies die Eheschließung im Verborgenen vollziehen. Die Trauung fand tatsächlich auf der Burg in Bacharach statt und ging als „Hochzeit von Stahleck“ in die Geschichtsbücher ein.

Pfalzgraf und Kaiser wurden anschließend vor vollendete Tatsachen gestellt und beschlossen den heiligen Bund nicht aufzulösen. Als Strafe jedoch wurde dem Brautpaar auferlegt, solange auf der spärlich eingerichteten Burg Pfalzgrafenstein zu verweilen, bis ein männlicher Nachkomme geboren ist. Der Sage nach verweilte das Brautpaar im sog. „Agnes Zimmer“, aber die Geburt eines Sohnes ließ nicht lange auf sich warten.

Blick in den Innenhof - Foto: GDKE Rheinland-Pfalz ©

Blick in den Innenhof – Foto: GDKE Rheinland-Pfalz ©

Historisch gesehen ist die sagenhafte Überlieferung der Geschichte hochinteressant, gibt sie doch viele Fakten korrekt wieder. Die Sage unterstreicht die politische Bedeutung der Hochzeit, wobei die Intension des Pfalzgrafen und Kaiser Barbarossas eine ganz andere war. Die beiden Herrscher wollten bewusst durch die Hochzeit von Agnes und Heinrich ein Zeichen setzen und die Versöhnung der Staufer mit der Welfen vorantreiben. Es war also der Vater selbst der die Vermählung seiner Tochter initiierte und vom Trierer Erzbischof Johann I. 1193/94 auf Burg Stahleck in Bacharach durchführen ließ.

Die Agnes Sage erinnert an ein historisch bedeutsames Ereignis und zeigt zwei der wichtigsten Orte in der Rheinischen Pfalzgrafschaft auf. Der Volksmund und die vorwiegend im 19. Jahrhundert niedergeschriebenen Sagen

 

halten somit die alten Geschichten und nicht zuletzt auch wichtige geschichtliche Fakten bis heute lebendig.

Die Pfalzgrafenstein ist ab 1. März wieder täglich geöffnet. Eine Personenfähre bringt die Besucher ab Kaub auf die Rheininsel – Öffnungszeiten im März 10:00 bis 17:00 Uhr.

http://dieburgpfalzgrafenstein.de/

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